Das mag vielleicht jemand denken, der mit diesem Projekt nichts zu tun hatte oder dem beim Stichwort Latein nur der Ablativus absolutus und unzählige Konjunktivformen einfallen. Doch das dem nicht so ist, davon hat uns, die ebemalige Klasse 10f, unser Lateinlehrer, Herr Dünnwald, überzeugt. Es fing alles damit an, daß in ganz Berlin ein Wettbewerb unter dem Motto "Reisen in die Antike" bzw. "Reisen in der Antike" stattfinden sollte. Natürlich stieß uns Herr Dünnwald auf dieses Projekt, für das wir uns dann auch bald vorbereiteten. Prompt fielen uns haufenweise Themen ein; aber wir mußten bald einsehen, daß wir bei einer Jury nicht nur herzzerreißende Entsetzensschreie oder stundenlanges Gruppenlachen verursachen wollten. Also einigten wir uns auf eine Rundreise zu den sieben Weltwundern der Antike für einen damaligen Pauschalreise-Römer.
Im Laufe unzähliger Unterrichtsstunden sammelten wir alle Fakten über die Bauwerke, die in der modernen Literatur zu finden waren. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Schülern und den Studenten anderer Fakultäten entschuldigen, die durch das Fehlen eines oder mehrerer Bücher an der perfekten Erarbeitung eines Referates gehindert wurden - wir hatten alle Literatur ausgeliehen!.
Mit den nötigen Informationen ausgestattet machten wir uns pärchenweise daran, dieselben in eine geeignete Schriftform zu bringen, was im Großen und Ganzen auch passabel klappte. Dabei wurden wir mit nicht so ganz alltäglichen Problemen konfrontiert, wie etwa:
Womit wurde gereist?
War vielleicht gerade Krieg zu dieser Zeit?
Wie teuer konnte eine antike Pauschalreise sein?
Wie gebe ich das Datum an, ohne die christliche Zeitrechnung zu benutzen? usw.
Aber mit vereinten Kräften schafften wir jede noch so erdenklich hohe Barriere. Dank unserer klasseneigenen Layout-Spezialisten Frano und Bernd hatten wir ein Ergebnis, das ohne weiteres mit professionellen Lehr- und Demonstrationsvorlagen hätte mithalten können.
Bei Bekanntgabe der Plazierungen war ein ausgewählter Kreis von Repräsentanten vor Ort, um unsere Urkunde zum zweiten Platz entgegenzunehmen.
Mit diesem Bericht möchte ich mich ganz herzlich bei allen Teilnehmern an unserem Projekt bedanken, auch wenn ich sie nicht namentlich erwähnt habe. Und natürlich gilt mein Dank unserem Projektleiter, Herrn Dünnwald, den wir alle von einer netteren und vor allem menschlicheren Seite kennengelernt haben, als dies im bisherigen Unterricht möglich gewesen wäre.
Robert Leonhard,
Gabriele-von-Bülow-Oberschule
Steigerung der Lust
oder
das achte Welt(wunder)
Fiktive Schülergespräche In der Filiale der Bülow-Schule
Hans: " Jetzt fängt die 7. Stunde an, und statt zur Pommes-Bude zu gehen, warten wir auf unseren Lateinlehrer."
Sabrina: "Ach, sieh mal - wieder nullus bockus."
Hans:"Naja, wer kann schon Latein in unserer Klasse, höchstens Linda und vielleicht noch Lars. Bei den anderen sieht es finster aus, bei manchen total."
Sabrina: "Aber ganz gut war doch, wie wir in der Eingangshalle den Stadionbesuch von Kapitel 30 (Ostia) gespielt haben. Das war Roberts Rolle - er ist nicht nur ein begabter Schaumschläger."
Hans: "Ja, und die Wandzeichnungen zur Steigerung mit den Bildern griechischer Olympiakämpfer, celer, ...,"
Lehrer: "...celerior, celerrimus. Ihr wißt ja, ich schaffe es nicht schneller in die Filiale."
An dem Imbißstand bei der Filiale
Lars: "Calidum, calidius, calidissimum ... farcimen. Hab ich mir die Zunge verbrannt. Malum!"
Linda: " Dein Latein ist ja ganz gut. Aber kannst du auch bis sieben zählen?"
Lars: "Wieso? Ach ja, die sieben Weltwunder für den Wettbewerb. Das war eine gute Idee. Das
haben wir in unserer Ecke gleich erkannt und die anderen mitgerissen. Darum bin ich dann auch im Redaktionskomitee. Wo ist übrigens euer Beitrag vom Leuchtt:urm?"
Linda: "Gemach, gemach. oder lente, lentius."
Lars: "Bringt aber gleich sprachlichen Schwung in euren Teil unseres Werbetextes für die alten
Römer - nach Roberts Nullversion magna, maiore, maxima voce!"
Im Klassenraum
Frano: "Wir haben jetzt alles eingescannt; nur Sabrina möchte bei ihrem Titelblatt das gelbe Schiff, wir anderen das blaue."
Lehrer: " Dann stimmen wir einfach ab, Sabrina, sei nicht traurig, daß die anderen blau schöner finden.
Leute, ihr habt mich ja oft genervt; aber ich bin jetzt echt beeindruckt, wie die Redakteure die Beiträge eingefordert und redigiert haben und daß so viele von euch mit Computern umgehen können. Gratias maximas! Euren Dankesbriefen an TUI (Totius Universi Itinera) verdanke ich nicht nur die Idee zur letzten Klassenarbeit:
Domina Christina Berolinensis scripsit, ... se Epheso relicto tandem Rhodum navigavisse. Se iam permultos totlus mundi locos vidlsse, sed illo loco animum suum tanto gaudio permotum esse, ut posterum vitae suae spatium in illa insula agere vellet etc.
Lars: "Ja,ja, wir wissen schon: indirekte Rede. Danke!"
In der Eisdiele nach der Preisverleihung
Frano: "Zum Schluß war ich nicht mehr so sicher, daß wir einen Preis bekommen würden. Aber diese riesige Portion Eis wird mich ewig an diesen Wettbewerb erinnern. Und daß wir den Abgabetermin eingehalten haben, ..."
Bernd: ".... habt ihr mir zu verdanken: Ausdrucken der korrigierten Fassung am Samstag zunächst bei mir, dann bei Sebastian, zuletzt am Sonntag zum Binden zu Lars. Ganz schön viel Freizeit für Latein - multum, plus, plurimum."
Sabrina: "Man konnte aber so richtig sinnvoll den Computer einsetzen. Nur die Farbpatronen sind ziemlich teuer. Übrigens, ihr habt doch wohl alle den Basiskurs Latein gewählt.
Leonhard Dünnwald, Gabriele-von-Bülow-Oberschule
aus: Lebendige Antike. Erfahrungen mit Projektarbeit im Latein- und Griechischunterricht, Redaktion: Dr. Josef Rabl und Leonhard Dünnwald, als Broschüre beim BIL 1998 erschienen