12. Wettbewerb Lebendige Antike 2011

Lebendige Antike - Schülerwettbewerb für Berlin und Brandenburg.
Die Aufgaben für die 12. Runde (pdf) wurde im September 2010 bekannt gegeben.

Wir arbeiten an einem Wettbewerbsbeitrag 2011!

Alle Ergebnisse des 11. Wettbewerbs auf einen Blick (pdf)

Sehr zu empfehlen ist für Kandidaten mit exzellenten Lateinkenntnissen eine Teilnahme beim:
Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Internationale Lateinwettbewerbe:
Certamen Ciceronianum Arpinas
Certamen Horatianum
Erfahrungsberichte


"Es war ein langer Weg von der Idee zum Ergebnis, aber er hat sich gelohnt!"
Lateinunterricht einmal ganz anders


Es war kurz vor Ferienbeginn, und die Klassenfahrtenzeit stand vor der Tür, außerdem hatte unsere Schule (das 4. Gymnasium Marzahn) eine Frankreichreise für alle Interessierten organisiert. So ergab es sich, daß unser Lateinkurs nur noch sechs Mitglieder zählte. Für unsere Lehrerin ergab sich also die Frage, was man mit der verbleibenden Zeit bis zu den Ferien sinnvoll machen könnte, denn wie überall stellte sich auch bei uns keine rechte Motivation für den üblichen Lehrstoff ein. Aber unsere Lehrerin hatte einen vielversprechenden Vorschlag: die Teilnahme an einem Wettbewerb. Sofort wurden wir hellhörig und hörten uns ihr Anliegen an. Dieser Wettbewerb erschien uns interessant, außerdem war er uns eine willkommene Ablenkung zum tristen Schuldasein. So wurde der Vorschlag einstimmig angenommen. Zwar hatten wir nicht die geringsten Erfahrungen mit solchen Wettbewerben, aber auf einen Versuch ließen wir es ankommen.

Also stürzten wir uns voller Elan in die Arbeit, doch zuvor mußten wir uns noch für ein Thema entscheiden: entweder "Reisen in die Antike" oder "Reisen in der Antike". Es entwickelte sich eine spannende Diskussion. Jeder hatte andere Vorstellungen und, obwohl unsere Lehrerin das "Reisen in die Antike" propagierte, ließen wir Demokratie walten. Die Mehrheit entschied sich also für die Alternative, die "Reise in der Antike" mit der Begründung, daß es doch sehr interessant wäre, etwas Neues über den Alltag der Römer zu erfahren, außerdem könnten wir so unser Wissen im Bereich der Realien kräftig erweitern.

Jetzt war es an der Zeit, einen Arbeitsplan aufzustellen. Doch wo sollten wir bloß anfangen? Es gab viele Unklarheiten. Wohin sollte die Reise gehen, wie lang sollte sie sein und welches Ziel sollte sie haben? Anhand dieser Fragen setzten wir ein grobes Skelett unserer Ideen zusammen. Damit der Ideenfluß nicht versiegte, funktionierten wir zwei von den drei Wochenstunden zu einem gemütlichen Frühstück um. So lustig, wie es auch klingen mag, zu den Aufgaben unserer Lehrerin gehörte es, für die Frühstücksbrötchen zu sorgen und Kaffee und Tee zu kochen. Nun war wenigstens schon mal der Ideenreichtum abgesichert. Um ein gutes Vorankommen zu gewährleisten, gliederten wir den Beitrag in verschiedene Bereiche: die Einleitung, die Reiseroute, die Gasthäuser, das Essen, die Gladiatorenkämpfe, die Theater, die Thermen und natürlich auch die Preise. Da unsere Lehrerin viele informative Bücher zu diesen Themen hatte, konnten wir gleich mit der eifrigen Suche nach Bildmaterial und dazu passenden Textstellen beginnen.

Nun war unsere Idee endlich komplett: eine Art altertümlicher Kaffeefahrt (der Anachronismus war uns klar!) für die obere Schicht nach Rom in einem komfortablen Gefährt mit Übernachtungen in edlen Herbergen. Es war interessant: je mehr man am Projekt gearbeitet hatte, desto mehr Fragen ergaben sich und desto größer wurde die Begeisterung. Und wenn es dann doch nicht mehr weiter ging, konnten wir immer auf die Hilfe unserer Lehrerin zurückgreifen. Sie hatte bei diesem Projekt nicht so sehr die leitende Funktion, sondern eher eine helfende und lenkende. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis erhielt eine ganz neue Dimension. Es gab viel zu lachen, und wir lernten uns viel besser kennen.

Jeder hat zu unserem Produkt seinen Anteil beigetragen, egal wie sein Schulstand war. Ein Teil wurde zu Hause erledigt, die weitere Ausarbeitung geschah im Kreise unserer Projektgruppe während des Unterrichtes. Schließlich war unser Reiseprospekt komplett. Alles was uns wichtig schien, war darin enthalten: eine Einleitung, die dem Leser die Reise schmackhaft machen sollte, der Hauptteil, die Reise mit beschriebenen Zielpunkten (Orte, Ereignisse, Herbergen) sowie kleinen Ködern (gute Sitze bei Vorstellungen, Ermäßigungen) und der abschließende Schlußteil, der Kostenvoranschlag.
Jetzt ging es mit einer gemütlichen Tasse Tee an die Überarbeitung. Sie beinhaltete das Ausbügeln unglücklicher Formulierungen und die formale Gestaltung, das Design. Doch noch eine schwere Entscheidung war zu treffen: ein werbewirksamer Slogan mußte gefunden werden. Wir hatten viele Ideen, doch keine hat sich auf Latein in einen Reim bringen lassen. Bis unserer Lehrerin dann doch noch was passendes einfiel: "Effugite negotia, fruimini Roma!" So, nun war unser Wettbewerbsbeitrag fast fertig, jetzt mußten wir ihn nur noch drucken. Also begaben sich in den Ferien drei aus unserem Kurs zu einem Computerkabinett im Spreewald. Da wurde uns dann allen klar, daß man ja nie auslernt. Zwei waren lange damit beschäftigt, die Bilder einzuscannen, Nummer drei gab die Texte ein und pusselte die Bilder an die richtigen Stellen in den Hintergrund. Auch dies verlief nicht ohne Heiterkeit, denn die Technik spielte uns ab und zu einen Streich. Aber schließlich war auch diese Etappe bewältigt.

Als wir das vollendete Werk dann den übrigen Kursmitgliedern zeigten, waren sie allesamt begeistert. Nun brauchte unser Beitrag nur noch abgeschickt zu werden. Jetzt hieß es Warten (auf den Tag der Preisverleihung) und Hoffen (vielleicht auf eine Plazierung unter den ersten Drei!).
In der auf die Preisverleihung im Goethe-Gymnasium folgenden Unterrichtsstunde haben wir unsere Arbeit noch einmal ausgewertet und alle Arbeitsschritte Revue passieren lassen. Es war doch ein ganz schön langer Weg von der Idee zu dem Ergebnis, aber wir sind alle der Meinung, daß es sich gelohnt hat, auch wenn man nicht zu den Erstplazierten gehört. Bei diesem Projekt war es egal, ob man leistungsstark oder -schwach war. Jeder hatte ein Gefühl von Dazugehörigkeit und konnte seine Ideen einbringen. Man war an nichts gebunden und konnte seiner Kreativität freien Lauf lassen. So wurden auch Durststrecken leicht überwunden. Wir haben viel dazu gelernt und die Erfahrung gemacht, daß wir um so interessierter wurden, je mehr wir uns mit dem Thema beschäftigt hatten. Das Schönste war, daß niemand fachlich überfordert wurde. Im Gegenteil, wir wurden von unseren Forschungen zu weiteren Tätigkeiten angeregt: einige römische Rezepte zum Beispiel, auf die wir gestoßen waren, haben wir selber zu Hause ausprobiert.

So verschwand unsere Projektarbeit also nicht gleich wieder in irgendeinem Schrank. Im Gegenteil: beim "Tag der offenen Tür" wurde unser Reiseprospekt begutachtet, und wir konnten ihn Seite für Seite unseren Eltern und vielen Interessierten vorstellen. Auch von uns hergestelltes römisches Gebäck wurde mit großem Erstaunen gegessen - wann hat man schon mal die Möglichkeit dazu. Die Eltern waren sichtlich erstaunt darüber, was der Lateinunterricht Schülern alles vermitteln kann.

Ergebnis: Unser Kurs kann diesen Wettbewerb nur weiterempfehlen, denn er schult die Selbständigkeit und erweitert das Wissen auf vielen Ebenen, sogar die Computerkenntnisse!
Wir hoffen, daß dieses Projekt auch in Zukunft regelmäßig stattfinden wird, denn unser Kurs würde sehr gerne wieder daran teilnehmen.

Nadja Massierer, Anja Seidel, Steffen Golm, Gerlinde Lutter,
4. Gymnasium Marzahn

aus: Lebendige Antike. Erfahrungen mit Projektarbeit im Latein- und Griechischunterricht, Redaktion: Dr. Josef Rabl und Leonhard Dünnwald, als Broschüre beim BIL 1998 erschienen