12. Wettbewerb Lebendige Antike 2011

Lebendige Antike - Schülerwettbewerb für Berlin und Brandenburg.
Die Aufgaben für die 12. Runde (pdf) wurde im September 2010 bekannt gegeben.

Wir arbeiten an einem Wettbewerbsbeitrag 2011!

Alle Ergebnisse des 11. Wettbewerbs auf einen Blick (pdf)

Sehr zu empfehlen ist für Kandidaten mit exzellenten Lateinkenntnissen eine Teilnahme beim:
Bundeswettbewerb Fremdsprachen

Internationale Lateinwettbewerbe:
Certamen Ciceronianum Arpinas
Certamen Horatianum
Erfahrungsberichte


Die Quinta c geht in Klausur.
30 junge Journalisten produzieren eine römische Zeitung

Der Berliner Altphilologenverband hatte 1995 als Thema des Wettbewerbs ,,Lebendige Antike" das Erstellen einer Zeitung aus dem antiken Griechenland oder Rom ausgeschrieben. Dieses Thema habe ich mit meiner damaligen Quinta (6. Klasse) aufgegriffen. Mir schien es beim Erstellen einer Zeitung in besonderer Weise möglich, die ganze Welt in den Blick zu bekommen, die heutige und die antike.
Meine damalige Quinta c arbeitete im Fach Latein gerne an längerfristigen Projekten, selbst wenn sie mit viel Arbeitsaufwand verbunden waren. Schon in der Sexta ließen sie manchen Erwachsenen staunen über ihre Aufführung eines lateinischen Theaterstücks.

Das Ergebnis war diesmal eine Zeitung mit dem Titel ,,PSPQR" (d.h. Pro senatu populoque Romano). Als Erscheinungsjahr war das Jahre 761 nach der Gründung Roms vorgesehen. Die Arbeit an diesem Projekt nahm zwei volle Monate in Anspruch. Nebenher lief natürlich die pflichtgemäße Lehrbucharbeit.

Die Kinder wählten selbst Themen, die im antiken Rom von Interesse hätten sein können, und schrieben einzeln oder in Gruppen Zeitungsbeiträge dazu. Zwei Tage und Nächte zog ich mich mit der Quinta ins Alfred-Delp-Haus zurück, um die Zusammenarbeit sowie das Auffinden und Verarbeiten von Literatur zu erleichtern. Erfahrungsgemäß übernachten unsere Schülerinnen und Schüler so gerne in diesem zur Schule gehörigen Haus, daß sich eine weitere Motivationsarbeit für die Zeitung erübrigte. Hier im ,,Alfred-Delp-Haus" war ich rund um die Uhr gefordert: Zusammen mit den Schülern Ideen zu entwickeln, Literatur zu suchen und zu finden, Texte zu verstehen, Gespräche zu vermitteln, Konflikte zu schlichten, Zusammenhänge zu erklären sowie viele, viele Frage zu beantworten: das bestimmte die Tage und die Abende. Diese Zeit war sehr anstrengend. Bei dieser Gelegenheit erhielten die Kinder eine Einführung in die Benutzung einer Bibliothek, denn der gesamte sehr umfängliche Bibliotheksbereich des Canisius-Kollegs stand uns für unsere Recherchen Tag und Nacht zur Verfügung. Dabei bin ich trotz allem immer wieder ins Staunen geraten über bemerkenswerte Fähigkeiten einiger Kinder, auch schwierigere fachwissenschaftliche Literatur zu verstehen und zu verarbeiten.

Die Arbeit an der Zeitung zog sich nach diesem Intensiv-Wochenende noch längere Zeit hin, denn die Artikel wollten noch richtig ausformuliert, getippt und gedruckt werden. Eine große Hilfe war es, daß zwei Schüler gerade ihre Liebe zum PC entdeckt hatten. Unermüdlich haben sie bis zuletzt am Layout der Zeitung gefeilt. Mein Mann und ich haben viele freie Abende damit verbracht, Korrektur zu lesen und zu recherchieren, ob die Angaben der Schüler auch ,,richtig", also insbesondere historisch stimmig waren. Die Überschriften der Artikel sollten in lateinischer Sprache formuliert werden. Das hatten wir zwar im Unterricht geübt, aber dennoch war hier viel korrigierendes Eingreifen erforderlich. Für die Bilder dieser Zeitung haben sich Kinder und Lehrerin eigens an einem Schultag römisch angezogen - ein Vergnügen, das auf vielen Fotos dokumentiert ist.

Für diese Zeitung bekamen wir bei dem Wettbewerb einen ersten Preis. Den schönsten Lohn aber, den mir diese Arbeit gebracht hat, will ich hier nicht verschweigen: Als wir längst mit unserer Zeitung fertig waren, schenkte mir einer der Jungen ein Exemplar einer anderen Zeitung: Ihm hatte die Arbeit an unserer Zeitung so viel Freude bereitet, daß er auf eigene Faust zu einer anderen Epoche ebenfalls eine Zeitung selbst gemacht hat. Bis heute gibt er diese Zeitung in regelmäßigen Abständen heraus.
Ute Rosenbach,
Canisius Kolleg, Tiergarten

aus: Lebendige Antike. Erfahrungen mit Projektarbeit im Latein- und Griechischunterricht, Redaktion: Dr. Josef Rabl und Leonhard Dünnwald, als Broschüre beim BIL 1998 erschienen